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Schwaben-Krimi mit Rezepten

 

Tübingen 1807. In dem beschaulichen Städtchen sind drei unnatürliche Todesfälle in verdammt kurzer Folge zu beklagen. Oder sind es vier? Ein Drucker, ein Verleger, ein Fremder. Und der Schlosserlehrling etwa auch? Und was haben die Toten mit Hölderlin zu schaffen? Dem Dichter, der sein Dasein am Rande des Wahnsinns in einem Turmzimmer fristet und traumschöne Poesie verfasst – und inhaltsleere Briefe an die Mutter.

Dabei hat er doch bloß schöne Gedichte schreiben wollen.

 

Ca. 240 Seiten, Softcover, 16,90 Euro, 2019 im Oktober Verlag.

Die Story in gebotener Kürze:

Der Kriminalroman spielt im historischen Tübingen und setzt zunächst die (fiktive) Ermordung eines Verlegers und eines Druckers im Jahr 1807 in Szene. Zwei Mordtaten, die der Initiator ebenfalls mit dem Leben bezahlt. Und während Hölderlin – als "geistesgestört" aus der Klinik entlassen und in einem Turmzimmer einquartiert – seine Gedichte Revue passieren lässt, beobachtet er vom Fenster aus diesen dritten Mord. Und glaubt, im Mordopfer den Gatten seiner hoffnungslosen und inzwischen verstorbenen Liebe Susette Gontard zu erkennen. Offenbar hat Gontard fünf Jahre nach dem Tod seiner Frau eine Reise nach Tübingen unternommen, um aus langjähriger Eifersucht heraus weitere Veröffentlichungen Hölderlins mit geradezu mörderischen Mitteln zu vereiteln. Zumal Gontard glaubt, dass Hölderlin und seine Liebesaffäre Susettes Tod zu verantworten haben. Die Reise nach Tübingen jedenfalls sollte Gontard nicht gut bekommen. Wie ein herbeigerufener Studienfreund Hölderlins herausbringt. Während die offiziellen Ermittler vor sich hin dilettieren und weitestgehend im Dunklen tappen und scheints von der Devise ausgehen, dass sich die Stadt mit der Zeit schon wieder beruhigen werde, so nur genug Wasser den Neckar hinabgeflossen sei.

Hölderlins Freund hingegen fragt sich, ob Susette den Mord an ihrem Gatten noch von langer Hand eingefädelt hat, bevor sie 1802 verstarb. Oder ob am Ende der Dichter selbst der Strippenzieher war. Oder hatten beide – als todunglücklich Verliebte – die Finger im Spiel?

 

Historischer Hintergrund:

Friedrich Hölderlin verbrachte die letzten 36 Jahre seines Lebens in einem kleinen Tübinger Turmzimmer unmittelbar überm Neckar und lebte offenbar zwischen Phasen der Geistesgegenwart und der Geistesgestörtheit, bevor er 1843 im Alter von 73 Jahren starb. In dieser Turmkammer brachte er unzählige Verse aufs Papier, improvisierte auf der Flöte und dem Klavier oder beschäftigte sich lieber mit lautmalerischem Gesang, als großartig zu parlieren. Allzu aufdringliche Besucher, die offenbar in erster Linie sehen wollten, wie ein "wahnsinniger Dichter" sein Leben fristet, hielt er sich dadurch vom Leib, dass er entsprechende Anfälle von geistiger Verwirrung schauspielerisch gekonnt inszenierte.

 

Unzweifelhaft jedoch ist, dass Hölderlin sich in der Enge des Turms zwischen extremen Widersprüchen um die eigene Achse drehte. Zwischen Weltschmerz und Hoffnung, zwischen den Fesseln der Weltwirklichkeit und der Freiheit der Flügel, die ihm seine poetischen Ausflüge verliehen. Immer wieder beschwor er in seinen Texten seine lebenslang währende Liebe zu Susette, der Ehefrau des Frankfurter Bankiers Gontard, bei dem Hölderlin zweieinhalb Jahre lang als Hofmeister angestellt war. Eine Liebe, die von Susette durchaus erwidert wurde, aus gesellschaftlichen Gründen aber nicht die geringste Chance zur Erfüllung hatte. Hölderlin musste die Hofmeisterstelle quittieren, trat eine Odyssee durch Mitteleuropa an und schließlich wurde ihm schwere, unheilbare "Hypochondrie" attestiert. Bevor Tischlermeister Zimmer ihn 1807 in seinen Turm aufnahm, wo der Kriminalroman einsetzt. Trotz der Störungen seiner geistigen Präsenz und trotz der jahrzehntelang mit sich herumgetragenen unerfüllten Liebe sind in diesem Turmzimmer noch einige seiner schönsten Gedichte entstanden – und eine Reihe von merkwürdig inhaltsleeren Briefen an seine Mutter, die von einer ungeheuren Sprachlosigkeit zeugen. Zumindest ihr gegenüber ...

Dieser historische Hintergrund und Hölderlins Poesie fließen unterschwellig, zwischen den Zeilen des Romans ein und treiben den Krimiplot um die stümperhafte Ermittlung der vier Todesfälle voran.