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Kleist – Der letzte Akt

Historisch angelehnter Kriminalroman von Ulrich Land

erscheint im Herbst 2020 beim Kameru-Verlag, Zürich

 

Skizze:

 

Es gilt als sicher, dass Heinrich von Kleist am 21. November des Jahres 1811 am Ufer des Stolper Lochs (heute: Kleiner Wannsee) zwischen Berlin und Potsdam in den selbstgewählten Tod ging. Zuvor erschoss er – auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin – seine, tja, soll man Kohlhaas gewesen sein ... – Und was hat Kleists findiger Verleger Cotta mit der Sache zu schaffen?

sagen: Geliebte oder Gefährtin Henriette Vogel. Hoffiskal Felgentreu untersuchte damals den doppelten Selbstmord und beseitigte alle Zweifel.

 

 

In diesem Roman jedoch wird der Fall Kleist neu aufgerollt: ...

 

Kleists Stiefschwester Ulrike beschuldigt den Vater, seinen Sohn Heinrich durch fortwährende Erniedrigung zum Mörder und Selbstmörder gemacht zu haben. Und Henriette Vogels Ehemann will gar eine weitere Tatwaffe am Ufer des Sees gefunden haben. Ihr Besitzer soll absurderweise ein gewisser Michael Kohlhaas gewesen sein ... – Und was hat Kleists findiger Verleger Cotta mit der Sache zu schaffen?

 

Plot:

21.11.1811. Stolper Loch. Zwei Schüsse pfeifen in kurzem zeitlichen Abstand durch den Nachmittag. Zunächst erschießt Heinrich von Kleist – verabredungsgemäß – seine Todesgefährtin Henriette Vogel. Als er jedoch die Pistole – ebenfalls verabredungsgemäß – gegen sich selbst richtet, um seine zahlreichen Freitod-Ankündigungen in die Tat umzusetzen, überkommen ihn Angst und Zweifel. – De facto wurden dort am Ufer des Stolper Lochs drei einläufige Pistolen gefunden. Obwohl Kleist als erfahrener Soldat nur zwei Pistolen für Henriette und sich benötigte. Ungereimtheiten, die dem hier anvisierten Roman Gelegenheit geben, wild zu spekulieren und das Zeitfenster zwischen erstem und zweitem Schuss und seine Hintergründe auszufabulieren.

 

 

Während also Kleist zögert, taucht plötzlich ein Fremder auf: der Kleist'sche Novellenprotagonist Michael Kohlhaas. Er wolle, verkündet er, dem großen Lebensplan (und Sterbensplan) Kleists endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Und überdies sinnt er auf Rache, weil Kleist ihn im Zuge des "grob hingehauenen" Schlusses seiner Novelle habe über die Henkerklinge springen lassen. Kohlhaas setzt seine Pistole an und drückt ab. Im eiligen Aufbruch verliert er jedoch die Tatwaffe.

 

Louis Vogel, der so plötzlich verwitwete Ehemann Henriettes, beginnt auf eigene Faust, Ermittlungen anzustellen, während der ermittelnde Richter Felgentreu die amtliche Version des tragischen Ablebens von Heinrich und Henriette zu Protokoll gibt. Unterdessen taucht Kohlhaas inkognito bei den Trauerfeierlichkeiten derer von Kleist auf und begegnet bei dieser Gelegenheit Ulrike, Kleists lediger Halbschwester, die sich ihm gegenüber als eine Art Abbild der Kleist'schen 'Marquise von O.' outet und unterm Siegel der Verschwiegenheit bekennt, sie trage ein Kind unterm Herzen, von dessen Empfängnis sie nicht das Geringste wisse. Kohlhaas versteht es, entsprechend einfühlsam zu reagieren; und Ulrike ist hin und weg von diesem galanten, von verwegenem Tatendrang und Gerechtigkeitssinn beseelten Kaufmann.

 

Einige Tage später meldet sich Louis Vogel bei Ulrike und behauptet, kein anderer als Kohlhaas müsse den Finger am Abzug gehabt haben und Kleist und Henriette Vogel erschossen haben! Denn er, Vogel, habe am Tatort eine Pistole gefunden, die eine Zeugin zuvor bei dem schneidigen Kaufmann gesehen habe und zweifelsfrei identifizieren konnte.

 

Bestürzt stellt Ulrike mit Louis Vogel zusammen Michael Kohlhaas zur Rede. Sie rast vor Zorn, weil sie durch ihn ein zweites Mal auf das Schändlichste betrogen wurde, erst von einem Vergewaltiger, jetzt vom Mörder ihres Bruders. Kohlhaas gesteht ohne leiseste Anzeichen von schlechtem Gewissen den Mord an Kleist. Louis Vogel überwältigt Michael Kohlhaas und schreitet zu dessen "zweiter Hinrichtung". Er fesselt ihn an einen Pfeiler im Rossstall und setzt diesen ganz nach Kohlhaas-Manier in Brand.

 

Kohlhaas jedoch weiß, sich dem Zugriff zu entziehen, indem er sich – so mysteriös wie er seinerzeit am Stolper Loch aufgetaucht war – in Luft auflöst. Zurück bleibt nur eine Reclamausgabe der Kleist'schen Novelle.

 

Zweiter Erzählstrang (in anderer Schrift gesetzt):

Das gesamte Geschehen wird in unregelmäßigen Abständen von einer Studentin unserer Tage bissig kommentiert. Ihr nämlich ist ein Kleist-Reclamheftchen gestohlen worden, wie sie behauptet. Und zeitgleich muss sie in der Zeitung lesen, dass auf dem Gelände ein Staplerfahrer zu Tode kommt und eine ganze Palette Kohlhaas-Heftchen in einer Pfütze versenkt. Es steht also alles andere als gut um das literarische Erbe eines Heinrich von Kleist.

 

Der Krimi also wird durch ihr Dazutun über die rein historische Dimension hinausgeführt und ins Hier und Jetzt geholt.

 

 

Autor:

Ulrich Land, geboren 1956 in Köln, lebt und schreibt in Freiburg. Neben Erzählungen, Lyrik, 40 Hörspielen und über 100 Radio- features hat er 8 Romane veröffentlicht, zuletzt "Hölderlins Filmriss" (2019). Er lotet in seinen Texten mit Vorliebe Krisen und Katastrophen aus, Süchte und Sehnsüchte, Mut und Unmut. An Kleist also führte kein Weg vorbei!





 

Schwaben-Krimi mit Rezepten

 

Tübingen 1807. In dem beschaulichen Städtchen sind drei unnatürliche Todesfälle in verdammt kurzer Folge zu beklagen. Oder sind es vier? Ein Drucker, ein Verleger, ein Fremder. Und der Schlosserlehrling etwa auch? Und was haben die Toten mit Hölderlin zu schaffen? Dem Dichter, der sein Dasein am Rande des Wahnsinns in einem Turmzimmer fristet und traumschöne Poesie verfasst – und inhaltsleere Briefe an die Mutter.

Dabei hat er doch bloß schöne Gedichte schreiben wollen.

 

Ca. 240 Seiten, Softcover, 16,90 Euro, 2019 im Oktober Verlag.

Die Story in gebotener Kürze:

Der Kriminalroman spielt im historischen Tübingen und setzt zunächst die (fiktive) Ermordung eines Verlegers und eines Druckers im Jahr 1807 in Szene. Zwei Mordtaten, die der Initiator ebenfalls mit dem Leben bezahlt. Und während Hölderlin – als "geistesgestört" aus der Klinik entlassen und in einem Turmzimmer einquartiert – seine Gedichte Revue passieren lässt, beobachtet er vom Fenster aus diesen dritten Mord. Und glaubt, im Mordopfer den Gatten seiner hoffnungslosen und inzwischen verstorbenen Liebe Susette Gontard zu erkennen. Offenbar hat Gontard fünf Jahre nach dem Tod seiner Frau eine Reise nach Tübingen unternommen, um aus langjähriger Eifersucht heraus weitere Veröffentlichungen Hölderlins mit geradezu mörderischen Mitteln zu vereiteln. Zumal Gontard glaubt, dass Hölderlin und seine Liebesaffäre Susettes Tod zu verantworten haben. Die Reise nach Tübingen jedenfalls sollte Gontard nicht gut bekommen. Wie ein herbeigerufener Studienfreund Hölderlins herausbringt. Während die offiziellen Ermittler vor sich hin dilettieren und weitestgehend im Dunklen tappen und scheints von der Devise ausgehen, dass sich die Stadt mit der Zeit schon wieder beruhigen werde, so nur genug Wasser den Neckar hinabgeflossen sei.

Hölderlins Freund hingegen fragt sich, ob Susette den Mord an ihrem Gatten noch von langer Hand eingefädelt hat, bevor sie 1802 verstarb. Oder ob am Ende der Dichter selbst der Strippenzieher war. Oder hatten beide – als todunglücklich Verliebte – die Finger im Spiel?

 

Historischer Hintergrund:

Friedrich Hölderlin verbrachte die letzten 36 Jahre seines Lebens in einem kleinen Tübinger Turmzimmer unmittelbar überm Neckar und lebte offenbar zwischen Phasen der Geistesgegenwart und der Geistesgestörtheit, bevor er 1843 im Alter von 73 Jahren starb. In dieser Turmkammer brachte er unzählige Verse aufs Papier, improvisierte auf der Flöte und dem Klavier oder beschäftigte sich lieber mit lautmalerischem Gesang, als großartig zu parlieren. Allzu aufdringliche Besucher, die offenbar in erster Linie sehen wollten, wie ein "wahnsinniger Dichter" sein Leben fristet, hielt er sich dadurch vom Leib, dass er entsprechende Anfälle von geistiger Verwirrung schauspielerisch gekonnt inszenierte.

 

Unzweifelhaft jedoch ist, dass Hölderlin sich in der Enge des Turms zwischen extremen Widersprüchen um die eigene Achse drehte. Zwischen Weltschmerz und Hoffnung, zwischen den Fesseln der Weltwirklichkeit und der Freiheit der Flügel, die ihm seine poetischen Ausflüge verliehen. Immer wieder beschwor er in seinen Texten seine lebenslang währende Liebe zu Susette, der Ehefrau des Frankfurter Bankiers Gontard, bei dem Hölderlin zweieinhalb Jahre lang als Hofmeister angestellt war. Eine Liebe, die von Susette durchaus erwidert wurde, aus gesellschaftlichen Gründen aber nicht die geringste Chance zur Erfüllung hatte. Hölderlin musste die Hofmeisterstelle quittieren, trat eine Odyssee durch Mitteleuropa an und schließlich wurde ihm schwere, unheilbare "Hypochondrie" attestiert. Bevor Tischlermeister Zimmer ihn 1807 in seinen Turm aufnahm, wo der Kriminalroman einsetzt. Trotz der Störungen seiner geistigen Präsenz und trotz der jahrzehntelang mit sich herumgetragenen unerfüllten Liebe sind in diesem Turmzimmer noch einige seiner schönsten Gedichte entstanden – und eine Reihe von merkwürdig inhaltsleeren Briefen an seine Mutter, die von einer ungeheuren Sprachlosigkeit zeugen. Zumindest ihr gegenüber ...

Dieser historische Hintergrund und Hölderlins Poesie fließen unterschwellig, zwischen den Zeilen des Romans ein und treiben den Krimiplot um die stümperhafte Ermittlung der vier Todesfälle voran.